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Teslas Model 3 mit CCS-Anschluss – Pragmatismus oder Weitblick?

Nach einigen Spekulationen steht fest: Tesla stattet sein Model 3 für den europäischen Markteintritt serienmäßig mit CCS-Port aus. Auf dem 10. CCS Testing Symposium in Arnheim, Niederlande, konnten wir das neue Modell Mitte November schon in Aktion erleben.

Mit der Entscheidung für CCS ermöglicht Tesla künftigen M3-Besitzern in Europa die Nutzung des immens wachsenden Schnellladenetzes europäischer Anbieter, wie IONITY oder Fastned. Das Tesla-eigene Supercharger-Netzwerk mit über 400 Standorten und mehr als 3.600 Ladepunkten in Europa soll außerdem noch vor dem Markteintritt mit CCS-Kabeln nachgerüstet werden. Das erklärte Drew Bennet, der bei Tesla für die globale Ladeinfrastruktur verantwortlich ist, in einem Gespräch gegenüber der britischen Auto Express.

„Wir planen eine immense Nachrüstung  – mit dem Ziel, dass Besitzer von Model 3 auf allen wichtigen Reiserouten passende Supercharger vorfinden.“ 1

Damit gewinnt das europäische Model 3 immens an Praxistauglichkeit – aber denkt Tesla möglicherweise über den eigenen Tellerrand hinaus?

Bei uns dreht sich alles um die beschleunigte Verbreitung von nachhaltigen Energie- und Transportkonzepten“, betont Bennet. „Und dies ist eine weitere Gelegenheit, alle beim Markthochlauf zu unterstützen.“ 2

In erster Linie dürfte es Tesla wohl darum gehen, die erwartete hohe Nachfrage des Model 3 in Europa reibungslos bedienen zu können.
Zwar bietet das europäische Supercharger-Netzwerk den Tesla-Fahrern schon einigen Ladekomfort: In Deutschland deckt das SuC-Netz das gesamte Autobahnnetz ab, die Stationen mit acht oder 16 Ladepunkten sind selten voll besetzt und eine Ladekapazität von bis zu 135 Kilowatt ermöglicht kurze Ladestopps. Wenn Anfang 2019 die erste Welle von Model 3 auf Europas Straßen rollt, könnte es an den rot-weißen Ladesäulen jedoch eng werden.

In den USA konnte man die Überlastung der Supercharger noch abwenden, indem man Model 3-Fahrer vom Gratis-Laden ausschloss und an den Schnellladern zur Kasse bat. Der europäische Markt birgt jedoch eine weitere Herausforderung: Ladeleistungen über 7 Kilowatt erfordern hier dreiphasige Typ-2-Anschlüsse – und ebenso schwere wie teure Ladegeräte im Auto. Während solche im hochpreisigen Model S und X bereits integriert sind, stünde Teslas Mittelklasse-Modell damit wohl vor einem Problem.

Die serienmäßige Ausstattung mit CCS-Port ist Teslas pragmatische Antwort auf diese Herausforderung. Mit dem Zugang zum europäischen Schnell-Ladenetz wird das Supercharger-Netzwerk entlastet, und muss mit dem Europa-Start nicht ad-hoc stark erweitert werden.

Die umfangreiche CCS-Nachrüstung aller Supercharger auf europäischem Boden noch vor dem Markteintritt, so der Plan, sichert zusätzlich die Verfügbarkeit auf allen Hauptreiserouten in Europa. Ob dieses ehrgeizige Unterfangen tatsächlich allein dem Ladekomfort europäischer Model 3-Fahrer dienen soll – oder Tesla seine Schnelllade-Infrastruktur womöglich auch für andere Fabrikate öffnet, bleibt fraglich.

Drew Bennet zufolge sei Tesla absolut offen für solche Perspektiven, und habe bereits viele Anfragen bekommen von Autoherstellern bezüglich eines Zugangs zum Supercharger-Netzwerk. Allerdings sieht sich das Unternehmen mit deutlichem Vorsprung an der Spitze des Feldes, was ernsthaften Kooperationen bislang im Wege stehen würde: „Die anderen versuchen noch, ihre Rolle innerhalb des Netzwerks zu finden”, so der Tesla-Manager.
“Mit unserer Bereitschaft, das Nötige zu investieren für einen Wandel hin zu Elektroautos, sind wir ihnen einige Jahre voraus.“ 3

Fest steht: Angesichts der jüngsten Verkaufsrekorde des Mittelklasse-Stromers in seiner Heimat Kalifornien könnte Tesla’s Entscheidung für den CCS-Anschluss des europäischen Model 3 der Akzeptanz von Elektrofahrzeugen in Europa deutlich Vorschub leisten. Mit der Öffnung für europäische Standards hat der Marktführer aus dem Silicon Valley jedenfalls einen vielversprechenden ersten Schritt gemacht.

Der nächste könnte eine Partnerschaft mit Hubject sein: Dadurch würde Tesla die Reichweite der eigenen Ladeinfrastruktur ad hoc erweitern und seinen Kunden eine flächendeckende Alternative zum eigenen Ladenetz bieten – nicht nur in Deutschland und Europa – sondern weltweit.

Quelle: https://www.electrive.net/2018/11/14/tesla-bringt-das-model-3-mit-ccs-nach-europa/
2 3 Quelle: https://www.autoexpress.co.uk/tesla/105236/tesla-to-open-up-ccs-fast-charging-for-european-model-3-model-s-and-model-x